Diese FAQs unterstützen HNO-Ärztinnen bei der Beratung von Patient*innen mit möglicher CI-Indikation.
Medizinisch eingeordnet von Univ. Prof. Dr. Gerd Rasp, HNO-Arzt und CI-Chirurg am Uniklinikum Salzburg.

Ein Cochlea-Implantat, kurz CI, kommt für Patient*innen mit hochgradiger Schwerhörigkeit oder Taubheit infrage, wenn trotz Hörgeräteversorgung kein ausreichendes Sprachverstehen mehr erreicht wird. In der HNO-Praxis entstehen häufig die ersten entscheidenden Gespräche über eine mögliche CI-Indikation — oft begleitet von Unsicherheiten rund um Operation, Restgehör, Narkose oder das spätere Hören mit CI.
Univ. Prof. Dr. Gerd Rasp, HNO-Arzt und CI-Chirurg am Uniklinikum Salzburg, beantwortet die häufigsten Fragen aus seinen Beratungsgesprächen mit CI-Kandidat*innen.
Dr. Gerd Rasp: Die meisten Fragen drehen sich vor allem um persönliche Sorgen: „Ist die Operation gefährlich?“, „Verliere ich mein Restgehör?“, „Wie belastend ist die Narkose?“, „Wann und wie höre ich wieder?“ oder „Sieht man das Implantat?“. Hinter diesen Fragen steckt oft die Unsicherheit, ob sich Betroffene auf diesen Schritt überhaupt einlassen sollen.
Dr. Gerd Rasp: Wir verwenden bei allen Patient*innen die geeigneten Möglichkeiten, um die Struktur des Innenohrs möglichst zu erhalten, was uns in vielen Fällen nachgewiesenermaßen gelingt. EAS ist zum Beispiel eine solche Option, mit der wir seit über 20 Jahren Erfolge erzielen. Wichtig ist aber eine realistische Aufklärung: Das Restgehör kann sich nach der Operation verändern oder etwas schlechter werden. Gleichzeitig erleben viele Patient*innen, dass das Hören mit dem CI deutlich mehr Sprachverstehen ermöglicht als das verbliebene akustische Hören. Diese Information nimmt vielen Betroffenen die Angst.
> mehr zum Thema:
Studie: Langfristiger Hörerhalt bei EAS Kandidat*innen
Dr. Gerd Rasp: Nein, eine Cochlea-Implantation ist kein riskanter Eingriff. Im Gegenteil. Üblicherweise werden Cochlea-Implantationen nur von gut ausgebildeten Chirurg*innen durchgeführt, daher sind die Komplikationsraten äußerst gering. Viele stellen sich den Eingriff deutlich größer vor, als er tatsächlich ist. Er dauert normalerweise nur 60-90 Minuten. Ich sage den Patient*innen völlig ruhigen Gewissens, dass eine Mandelentfernung schmerzhafter und gefährlicher ist.
Dr. Gerd Rasp: Gerade ältere Patient*innen bzw. deren Angehörige berichten manchmal, dass eine frühere Narkose, etwa nach einer Hüftoperation, eine monatelange Erholungsphase nach sich gezogen hat. Solche Bedenken sollte man ernst nehmen und individuell besprechen. Wenn ein älterer Mensch aufgrund seiner Schwerhörigkeit kaum noch am sozialen Leben teilnehmen kann, gleichzeitig aber geistig fit und aktiv ist, sollte ihm eine CI-Versorgung nicht vorenthalten werden. Gibt es aufgrund von Vorerkrankungen Bedenken hinsichtlich der Narkose, können alternative Möglichkeiten geprüft werden. Noch ist das eher selten, aber in einer zunehmend älter werdenden Gesellschaft wird dieses Thema künftig an Bedeutung gewinnen.
Dr. Gerd Rasp: Bei Erwachsenen aktivieren wir das CI heute meist bereits am ersten Tag nach dem Eingriff. So gehen die meisten schon mit ersten Höreindrücken nach Hause. Am zweiten Tag erfolgt in der Regel eine weitere Anpassung. Die ersten Höreindrücke sind zwar noch kein Sprachverstehen und klingen oft ungewohnt, werden aber überwiegend positiv erlebt. Viele Patient*innen berichten schon früh von einem Gefühl, dass das Hören wieder „räumlicher“ wird.
Motivierte Patienten können von einer mehrwöchigen stationären CI-Rehabilitation zusätzlich zur ambulanten sehr profitieren. Unsere Erfahrung zeigt jedoch, dass der richtige Zeitpunkt entscheidend ist. Deshalb empfehlen wir eine stationäre Reha meist erst nach etwa sechs bis neun Monaten Anpassungszeit. Zu Beginn wären viele Betroffene von den zahlreichen neuen Eindrücken und Anforderungen noch überfordert. Die Empfehlung erfolgt dabei auf Basis unserer Erfahrung und wird gemeinsam mit den Patient*innen individuell besprochen.
Dr. Gerd Rasp: Das kommt auf mehrere Faktoren an. Männer hadern häufiger damit, dass der Audioprozessor zu sehen sein könnte. In der Beratung werden deshalb Aspekte wie Form, Farbe, Frisur sowie individuelle Anforderungen im Alltag berücksichtigt. Auch Freizeit- und Berufsaktivitäten, etwa das Tragen von Helmen oder Kopfbedeckungen, fließen in die Auswahl des passenden Systems ein. Moderne Audioprozessoren bieten heute für unterschiedliche Bedürfnisse und Lebenssituationen individuelle Lösungen.
Dr. Gerd Rasp: Tinnitus ist bei vielen CI-Kandidat*innen ein wichtiges Thema, da er häufig gemeinsam mit der Schwerhörigkeit auftritt. Moderne Hörgeräte verfügen oft über integrierte Tinnitus-Funktionen, die allerdings nicht immer ausgeschöpft werden. Gleichzeitig zeigt die Erfahrung, dass sich ein belastender Tinnitus bei vielen CI-Nutzer*innen nach der Versorgung verbessern oder sogar verschwinden kann. Eine Garantie dafür gibt es zwar nicht, und Tinnitus allein stellt keine Indikation für ein Cochlea-Implantat dar. Für viele Patient*innen ist die mögliche Verbesserung jedoch ein willkommener zusätzlicher Vorteil der Versorgung.
> mehr zum Thema:
Studie: Wie beeinflussen Cochlea- Implantate einen Tinnitus?
Studie: Cochlea-Implantate und langfristige Tinnitusbelastung im höheren Lebensalter
Patient*innen beschäftigen vor einer Cochlea-Implantation vor allem folgende Fragen: Bleibt mein Restgehör erhalten? Wie sicher ist die Operation? Vertrage ich die Narkose? Wann höre ich wieder etwas? Die Erfahrung aus spezialisierten CI-Zentren zeigt, dass viele dieser Sorgen durch eine fundierte Beratung rasch entkräftet werden können. Für niedergelassene HNOs liegt darin eine wichtige Chance: sie können Ängste abbauen und sicherstellen, dass ihre betroffenen Patient*innen frühzeitig ein CI-Zentrum aufsuchen.
Zur Person:
Univ. Prof. Dr. Gerd Rasp ist Vorstand der Universitätsklinik für Hals-Nasen-Ohrenkrankheiten am Uniklinikum Salzburg und Präsident der Österreichischen HNO-Gesellschaft.
Medizinisch eingeordnet von Univ. Prof. Dr. Gerd Rasp, HNO-Arzt und CI-Chirurg am Uniklinikum Salzburg.
Eine Cochlea-Implantat-Abklärung, kurz CI-Abklärung, sollte veranlasst werden, wenn Patient*innen trotz optimierter Hörgeräteversorgung kein ausreichendes Sprachverstehen mehr erreichen. Entscheidend ist neben dem Tonaudiogramm vor allem das Sprachverstehen unter bestmöglicher Hörgeräteversorgung. Bei Verdacht auf eine CI-Indikation ist eine frühzeitige Überweisung an ein spezialisiertes CI-Zentrum sinnvoll. Alter allein sollte nicht als Ausschlusskriterium gewertet werden.
Das Restgehör kann nach einer Cochlea-Implantation erhalten bleiben, eine Garantie gibt es jedoch nicht. Moderne CI-Chirurgie zielt darauf ab, die Strukturen des Innenohrs möglichst zu schonen. Bei geeigneten Patient*innen kann EAS, also elektroakustische Stimulation, eine Option sein. In der HNO-Beratung ist wichtig: Das CI ermöglicht häufig deutlich besseres Sprachverstehen als das verbliebene akustische Hören allein.
Die Cochlea-Implantation ist ein etablierter Eingriff mit niedriger Komplikationsrate, wenn sie in einem spezialisierten CI-Zentrum durchgeführt wird. Die Operation dauert meist etwa 60 bis 90 Minuten und erfolgt durch spezialisierte CI-Chirurg*innen. Viele Patient*innen überschätzen das Operationsrisiko. HNO-Ärzt*innen sollten diese Sorge aktiv ansprechen und bei passender CI-Indikation frühzeitig an ein CI-Zentrum überweisen.
Eine Narkose ist bei älteren Patient*innen kein grundsätzlicher Ausschlussgrund für ein Cochlea-Implantat. Entscheidend sind Allgemeinzustand, Vorerkrankungen, kognitive Fitness, Aktivität und Kommunikationsbedarf. Bedenken von Patient*innen oder Angehörigen sollten präoperativ individuell abgeklärt werden. Wenn Schwerhörigkeit zu sozialem Rückzug führt, kann eine CI-Versorgung auch im höheren Alter sinnvoll sein.
Bei Erwachsenen wird das Cochlea-Implantat häufig bereits am ersten Tag nach der Operation aktiviert. Erste Höreindrücke sind dann möglich, klingen aber meist ungewohnt und entsprechen noch nicht sofort stabilem Sprachverstehen. Das Hören mit einem Cochlea-Implantat entwickelt sich schrittweise durch Anpassungen, Hörtraining und Rehabilitation. HNO-Ärzt*innen sollten Patient*innen auf diesen Lernprozess vorbereiten.
Ein begleitender Tinnitus kann sich nach einer Cochlea-Implantation verbessern, eine Garantie gibt es jedoch nicht. Tinnitus tritt bei vielen CI-Kandidat*innen gemeinsam mit hochgradiger Schwerhörigkeit auf. Tinnitus allein ist keine Indikation für ein Cochlea-Implantat. Bei geeigneten Patient*innen kann eine mögliche Tinnitusreduktion aber ein zusätzlicher positiver Effekt der CI-Versorgung sein.