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Dr. Alexandra Jappel

Dr. Jappel über das Zuweisen von Kindern an Hörzentren

Experteninterview

Dr. Alexandra Jappel, HNO-Fachärztin an der Klinik Donaustadt, über die Bedeutung von konstanten Bezugspersonen an Hörimplantat-Zentren, einseitige Ertaubung und die Zusammenarbeit mit Zuweisern.

hearbetter: Was empfehlen Sie niedergelassenen HNOs bei Kindern mit grenzwertigen Hörschwellen oder komplexen Hörstörungen?

Dr. Jappel: Diese Kinder sollten an eine HNO-Klinik überwiesen werden, die eine gute Audiologie-Abteilung angeschlossen hat, im Idealfall sogar eine Pädaudiologie. Für eine genaue und frühe Diagnose ist eine enge Zusammenarbeit zwischen der Ärzteschaft und Audiolog*innen/Logopäd*innen enorm wichtig.

Kinder und Eltern brauchen an der Klinik eine konstante Bezugsperson, eine Ansprechperson, die sie gut kennt. Oft sind das Logopäd*innen oder Frühförder*innen. Wechseln diese Ansprechpartner ständig, läuft man Gefahr, dass man Patient*innen bei der Nachsorge verliert. Regelmäßige Kontrollen sind vor allem bei unklaren Diagnosen wichtig. Der konstanten Bezugsperson fällt schneller auf, wenn Kontrolltermine nicht wahrgenommen wurden, sie kann nachtelefonieren und besser dafür sorgen, dass Familien angebunden bleiben und die Kinder nicht „verlorengehen“.

Im ländlichen Bereich erfolgt die Nachkontrolle wegen der leichteren Erreichbarkeit eher im niedergelassenen Bereich. Die Kommunikation zwischen Zuweisenden und Klinik ist dabei ein weiterer wesentlicher Baustein für eine stabile Nachsorge.

hearbetter: Was empfehlen Sie bei Kindern mit einseitiger Ertaubung?

Dr. Jappel: Unbedingt an ein Implant-Zentrum weiterschicken. Denn auch bei einseitiger Ertaubung bringt ein CI enorm viel!

Das Problem sind die postlingual einseitig ertaubten Kinder, bei denen die Hörstörung lange nicht auffällt. Oft bemerken erst die Kindergartenpädagog*innen, etwa beim „Stille Post“ spielen, dass ein Kind schlecht hört.

Wenn ein Kind nicht altersgemäß spricht, kein gutes Richtungshören aufweist, sollten Eltern bzw. niedergelassene Ärzte oder Ärztinnen auch an einseitige Hörstörungen denken.

Ich empfehle bei Verdacht auf Hörprobleme generell, möglichst früh eine Tonaudiometrie zu machen. Mit der Freifeldaudiometrie bleibt eine einseitige Ertaubung lange unerkannt.

hearbetter: Wie gut funktioniert die Zusammenarbeit mit Zuweisern?

Dr. Jappel: Die niedergelassenen HNOs kennen sich mit Cochlea-Implantaten gut aus und überweisen die Patient*innen an die Implant-Zentren, wenn sie selbst nichts mehr machen können.

Bei den Mittelohr- und Knochenleitungsimplantaten besteht noch deutlich mehr Informationsbedarf. Natürlich sind diese Fälle im Praxisalltag viel seltener als zum Beispiel eine schiefe Nasenscheidewand.

hearbetter: Welche Krankheitsbilder weisen diese Patient*innen auf?

Dr. Jappel: Bei der BONEBRIDGE operieren wir viele Kinder mit Atresien oder Malformationen. Ich betreue seit 16 Jahren einen Patienten mit Franceschetti-Syndrom, der damals ein „Baha“ bekam, bei dem allerdings die Schrauben nicht hielten. Viele Jahre trug er ein Headband, das aber zu wenig Hörverstärkung brachte. Schließlich wurde er mit einer BONEBRIDGE implantiert, und er ist jetzt sowohl mit der Klangqualität als auch mit dem Tragekomfort sehr glücklich.

Mit der SOUNDBRIDGE versorgen wir mehr Erwachsene, viele mit einer Hörgeräte-Intoleranz, etwa wegen Gehörgangsentzündungen. Ästhetische Gründe allein genügen nicht, um statt eines Hörgeräts eine VIBRANT SOUNDBRIDGE zu bekommen.

hearbetter: Welche Botschaft haben Sie für die niedergelassene Ärzteschaft?

Dr. Jappel: Wenn Sie Patient*innen mit Hörproblemen haben, mit denen Sie nicht mehr selbst zurechtkommen, denken Sie an Hörimplantate oder ein ADHEAR und informieren Sie Ihre Patient*innen darüber. Schicken Sie sie an ein Implant-Zentrum weiter.

hearbetter: Wir danken für das Gespräch!

Sie möchten Genaueres über die Indikationen für ein Mittelohr- oder Knochenleitungsimplantat erfahren? Erfahren Sie hier mehr!